Veröffentlichungen

mirmeinleben

In Ingritt Sachses Gedichten spiegelt sich eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit der individuellen Emotionalität, dem Standort des Einzelnen in der Welt und seiner Verantwortung für diese.

Dabei wechseln Blickwinkel und Schwerpunkt: Aus der zunächst beobachtenden und aufnehmenden Außensicht wird der Fokus reflektierend auf das Innen gerichtet, um anschließend in einem neuen Dialog mit der Welt zu treten. Hierbei tritt eine große Verletzlichkeit und Empfindsamkeit zutage, die jedoch durch die beewusste Auseinandersetzung letztendlich nicht lähmend wirkt, sondern in Stärke umgewandelt werden kann.

Sachse erschafft mit Wörtern (Klang-)Bilder, die Texte wirken oft verätselt, wie assoziative Moementaufnahmen jenseits gewohnter syntaktischer Formen - nicht umsonst häufig Bezug nehmend auf Gemälde und Texte expressiv-emotional arbeitender Künstler.

Was dadurch vielleicht auf den ersten Blick Distanz erzeugt, schafft aber gerade auf den zweiten Blick eine irrigierende Intimität. Aus dem Wechselspiel zwischen Außenbetrachtung und Innensicht entstehen sehr berührende Räume, in denen die ambivaltente Beziehung zwischen Welt und Ich neu gedacht werden kann.

Rezension

Der Reiher und die Feuerlilien
Rolf Birkholz

Wolken, Wind und Mond tauchen signifikant häufig auf in diesen Gedichten. Wind ist zu spüren, Mond und Wolken sind zu sehen, zu fassen sind sie alle nicht recht. Der Mann im Mond bekommt ja äußerst selten Besuch. So "festgefroren hinter der haut aus eis ich / versuche die wolken zu trösten was / haben sie alles gesehen", beginnt "tagtätlich". Ingritt Sachses Gedichtband mir mein leben / meine farben ermischen fordert schon durch oft überraschenden Buchstabenaustausch oder Zeilensprung, besonders aufmerksam zu lesen.

Die zitierten Verse geben eine Grundstimmung vor, dieses facettenreiche lyrische Ich verlangt unter erschwerten Bedingungen nach Gehör. Und obwohl jene drei Begriffe auf Flüchtiges oder weit Entferntes weisen und trotz des Untertitels gedichte für eine andere welt wird erkennbar, dass diese konzentrierte Seelenpoesie sich in einer durchaus mit Tagtäglichem kommunizierenden Innenwelt bewegt.

Wenn es einmal heißt "geflogen komm ich wolkenweiß bin / eine maulwurfmöwe", steht dieses Wundertier für zu überbrückende Gegensätze und Verwandlungswünsche, die auch an anderen Stellen begegnen. Das spannt an, entspannt aber auch. Etwa, wenn das Subjekt in feinen Wellenlinien zu lesen versucht: "ich träume mich in sie hinein / bin / aufgehoben / in einem wassertropfen". Und im nächsten Gedicht ist es zunächst "aus allen träumen gefallen / in einen morgen wie wasser", zieht dann in ein Seeschneckenhaus, und "ohne die absicht den mond zu erreichen / bade ich / unter dem mond".

Es sind "gedanken unter dünner haut wie / schaum die brandung offenbart", die Ingritt Sachse, geboren 1946, in diesem Band versammelt. Dabei mögen auch berufliche Erfahrungen der Psychotherapeutin eingeflossen sein. Manche Gedichte sind durch Gemälde von Paul Klee, Cy Twombly oder Frank Auerbach angeregt. Bei Letzterem werden ganz im Tenor dieser Lyrik "gesichter geschützt unter / bandagen zusammen gesetzt / von farbwickeln gehalten".

In "spiegelungen", vielleicht das Schlüsselgedicht dieses Buchs, aber klärt sich plötzlich die Lage. Während Lilien im Morgenlicht, wie es scheint, Feuer gefangen haben und sich im Teich spiegeln, sitzt "bewegungslos ein reiher / wartet und lässt sich nicht / täuschen hat feuer gefangen / die feuerlilien im teich waren / goldene fische". Hier begegnen einander mustergültig menschliches Vermögen und tierisches Streben. Dieses bei Wind und Wolken so zu sehen, könnte schon die halbe Fahrt zum Mond sein.
Rolf Birkholz

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Kinderbuch
Rezensionen:
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Rezension von Jochen Willerscheidt

Von Detlef Rüsch am 12. August 2017

Ungewöhnlich wie der Titel sind auch die Gedichte und Zeichnungen in diesem Buch, das keinen gewöhnlichen Weg der Vermittlung geht. Vielmehr werden hier Sprachespiele und Bilder für die Kinderpsychotherapie so vorgestellt, dass man einen weiten Raum hat in der Anwendung. Das Kinder(fach)buch mit Sprachspielen, Phantasiegeschichten und angedeuteten Bildern eröffnet die Chance, selbst kreativ zu sein und je nach Hintergrund eines Kindes oder eines/einer Jugendlichen kann hier individuell auf die unterschiedlichen Aspekte der kindlichen Welterfahrung eingegangen werden. Manchmal reimen sich die Verse, mal wird ein hintergründiger Sprachwitz eingesetzt und mal ist es eher eine Geschichte, die selbst sehr inspirierend ist. Ohne direkte Bewertung können hier einzelne Wörter bildhaft zerlegt und neu kombiniert bzw. umgedeutet werden.
Sowohl in der psychotherapeutischen, als auch in der pädagogischen Arbeit mit Kindern lassen sich - bewusst ausgewählte Gedichte oder Bilder einsetzen. Beispielhaft sei hier das Magengedicht zitiert: "in meinem Bauch da/ murrt was und/ da knurrt was// in meinem Baucht brüllt einer:/lauter Hunger hab ich auch!// so geht es zu/ da ist was los/in meinem Bauch"
Passend dazu wird ein Kind mit verkrampfter Körperhaltung gezeigt. So kann man das Gedicht einsetzen mit dem Hintergrund, was dem Kind wohl schon Bauchschmerzen bereitet hat oder ob es den Gesichtsausdruck des Kindes kennt.


ATHENAVerlag

Lyrikbände

 

Ingritt Sachse

vergessene landstriche die wir begehen

gedichte aus der traumzeit

1. Auflage 2012, 108 Seiten, Broschur 13 x 21 cm,
ISBN 978-3-89896-505-7, 11,90 Euro, 21,00 sFr

Kältere Jahreszeiten kündigen sich an. In Ingritt Sachses zweitem Lyrikband stehen jedoch nicht nur Herbst und Winter ins Haus. In ihren Gedichten spannt sie den Bogen weit hinüber in vergessene landschaften, die lediglich über Traum und Reflexion Zugang gewähren. Voraussetzung ist die Stille, in der sich dem lyrischen Ich Wahrnehmungsfelder öffnen. So werden im wunderwort wie apfelsine Kindheitserinnerungen wach, spiegelt regennasser asphalt im Farbenspiel Vergänglichkeit, geben nahrhafte winterklaben (...) das gerüst für einen langen winter.

Der innere Erfahrungsschatz ermöglicht das Alleinsein, aus dem neue Träume, sogar neue Identität hervorgehen. Gespräche mit Baum und Vogel werden möglich. zerrissene gewohnheit heißt es in einem Gedicht: Der Rückzug mag Schmerz mit sich bringen, doch die innere höhle wird auch zu rastplatz und heilender lichtung. Im anonymen Getriebe der Stadt – alle für sich / eisblumenblicke – bleibt diese Chance verwehrt. Illusionärer Ersatz, um die zwischenmenschliche Kälte zu mildern, hat seinen Preis: der mond klemmt / zwischen kranhälsen / tanzt reklame am turm. Über-wintern – mit diesem Stichwort könnte man Ingritt Sachses Texte überschreiben. Die Jahreszeit von Herbst bis Frühling dient ihr als Rahmen, Möglichkeiten von Wandel und Verwandlung poetisch zu verschlüsseln und Lebenseinstellungen zu bedenken.

 

ATHENA-Verlag

Mellinghofer Straße 126

46047 Oberhausen

Telefon 0208 871505
Telefax 0208 871547

E-Mail info@athena-verlag.de
www.athena-verlag.de

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in schattengängen

Ingritt Sachse

in schattengängen streut licht

Gedichte

1. Auflage 2011, 88 Seiten, Broschur 13 x 21 cm,
ISBN 978-3-89896-422-7, 10,90 Euro, 20,00 sFr

ihr tastender fuß / schlamm noch im haar

tanzen die steine und donnern
dröhnt die mondhelle nacht
sprengt kraft und
brüllt aus den bergen
schrecken der fels die
steine ins rollen
stürzen schreie
und schatten
bis
eine stille
eine gewaltige stille
die steinerne göttin
sammelt kühle und hitze
ihr haupt
berührt den mond
umkreist lachend ein vogel
nisten schwalben im haar

Wo gibt es noch Echsenfrauen, führen geheime Muschelgänge in die Tiefe, lassen Berge ihr dröhnendes Gelächter erschallen? In den Gedichten Ingritt Sachses werden vergessene Welten lebendig. Sie erinnern an Mythen, an Träume und Wünsche, an Kindertage, in denen das bloße Vertrauen Schlüssel zum Leben war: auf / dem rand der badewanne tanzt / im roten kleid das / schmale kind und träumt / vom tanz der feuerfee vom / feuervogel seinem wilden / flug.

Für den Erwachsenen öffnet sich solche Tür nur noch um den Preis, sich ungeachtet aller Ängste auf Bewegung, Wandel und Tod einzulassen. An Abgründen entlang, bei denen er gleich einer Initiation seiner Schattennatur begegnet, schreibt / brandsätze der träumer, bis er auf Neuland stößt. Dann können ohne zweifel Gesang und Tanz wieder den Tag bestimmen, der Blick selbstbewusst und frei ins blaue gehen.

Mit ihrer atmosphärisch verdichteten Sprache lockt die Autorin ihre Leser in nicht ungefährliche Traum- und Zauberwelten. Die leichten Wortspiele und Bilder täuschen dabei nicht über die Herausforderungen hinweg. Sie zeigen vielmehr, dass aus Gratwanderung ein bunter Lebenstanz werden kann, für den es lohnt, sich ins Dunkle vorzuwagen.

Jetzt bestellen; 6,00 € zzgl. Porto, max 1,65

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